Keramik ist eines der ältesten Handwerke der Menschheit. Bei fast allen archäologischen Ausgrabungen geben Keramikfunde detaillierte Informationen über die Lebensgewohnheiten der Menschen.
Speziell in der Rheinischen Gegend, in der ich lebe, hat sich in den vergangenen Jahrhunderten eine einzigartige Töpfertradition entwickelt. Das Rheinland war seit dem Neolithikum Heimat keramischer Kultur, die Bandkeramiker siedelten schon 5000 v. Chr. im Rheintal. Sie stellten Kugelgefäße mit Rollstempel und Ritzdekoren her, die sich in Bändern um den Gefäßkörper wanden.
Dann folgten die Römer als Invasoren, die lange Jahrhunderte die Kultur dominierten. Erst im frühen Mittelalter taten sich die ersten wichtigen Töpferzentren, insbesondere Pingsdorf und Badorf bei Bonn hervor.
Alle bisher genannten Keramiken waren sehr niedrig gebrannt, porös, also Irdenware. Auch die Pingsdorfer Ware war irden, doch hob sie sich durch ihren schon etwas härter gebrannten, gelblichen Scherben und die rote Schlickermalerei deutlich ab. Diese Töpferware hielt sich bis ins 13. Jh. und fand ein europaweites Verbreitungsgebiet; doch wurde sie schließlich von der hochmittelalterlichen gerieften Ware abgelöst. Diese anfänglich dunkelbraun bis schwarz gebrannte Keramik erhielt ihren Namen von den starken Drehrillen, oder Riefen, die bei der Herstellung auf der Drehscheibe entstehen. Sie kam aus Siegburg, wo schon seit dem 10. Jh. getöpfert wurde. Den Töpfern in Siegburg gelang im 13. Jh. Mit der gerieften Ware die Herstellung von Frühsteinzeug.
Steinzeug ist im Gegensatz zur Irdenware dicht gebrannt, also nicht mehr porös und viel härter. Dies sind zwei Qualitätsmerkmale, die den Töpfern am Rhein später noch großen Reichtum bringen sollte. Die geriefte Ware löste also die Pingsdorfer Keramik ab, die rotbraune Schlickermalerei ging unter, da sie auf den dunkler gebrannten Töpfen kaum noch zu erkennen war und aufgegeben wurde.
Erst ab dem späten 14. Jh. beginnt der Scherben der Gefäße wieder heller zu werden; dies hängt sowohl mit verbesserter Brenntechnik, als auch der Verwendung anderer Tone zusammen. Siegburg tritt immer mehr als dominierender Töpferort hervor. Es kommen neue Gefäßfomen auf, wie die Jacobakanne und der Trichterhalsbecher, der typische Wellenfuß der mittelalterlichen Töpferei wird stärker ausgeprägt.
Diese spätmittelalterliche Ware, auch geflammte Ware genannt, ist der Punkt wo der Übergang vom Faststeinzeug zum echten Steinzeug geschafft ist. Der Scherben der Töpfe ist nun voll gesintert und somit ist die Qualität noch höher als die der gerieften Ware des hohen Mittelalters. Die Brennfarbe ist heller, und es treten rötlich orange Flammspuren und Aschanflugglasuren auf, die typisch für diese Keramik sind.
Im 16.Jh. gelangt Siegburg im Zuge der Renaissance zur vollen Blüte. Es werden aufwendige Steinzeuggefäße hergestellt, die im Zeitgeist mit prunkvollen Auflagen und Dekoren verziert sind. Die Schnelle, ein schlanker, konischer Trinkkrug, wird in dieser Zeit erfunden und erlangt Berühmtheit.
Der Export ist beachtlich, und viele Töpfer werden reich. Es gibt im 16. Jh. sogar einen Töpfermeister der Vogt der Stadt Siegburg wird.
Erst im 17. Jh. beginnt im Zuge des Dreißigjährigen Krieges leider der Niedergang. Die Töpfer verlassen die Gegend um Siegburg und Bonn und siedeln sich im Westerwald an.